Donnerstag, 22. Oktober 2015

Eine Generation im Aufbruch - Shell Studie zu Erwartungen von Jugendlichen an ihren Job

Am 13.10.2015 wurde im Berliner Umspannwerk die 17. Shell Studie vorgestellt. Vor Vertretern von Industrie, der Politik und der Wissenschaft präsentierte Prof. Matthias Albert seine von ihm verantwortete Studie und diskutierte im Anschluss mit Politikern und den anwesenden die Ergebnisse. Der iGZ war selbstverständlich durch mich, der ich im Bundesvorstand für den Bereich Bildung zuständig bin, auch vor Ort.

Das erste, bekannte Ergebnis der Studie lautet: 
Die Jugend von heute ist vor allem eins: pragmatisch und international. Sie möchte mitgestalten und ist politisch interessiert. Sorgen machen der Jugend Terror und Ausländerfeindlichkeit. Von ihren zukünftigen Arbeitgebern wünschen sie sich Flexibilität und Sicherheit. Unternehmen reagieren mit familienfreundlichen Arbeitszeiten und Flexibilitätsreserven. Auch „job-sharing" ist eine mögliche Antwort.

Allerdings mahnt Professor Hurrellmann zurecht an: „Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Dass die Zahl der Jugendlichen, die im deutschen Bildungssystem nicht zurecht kommen, konstant bei 10-15% wie „zementiert“ ist, ist ein Grund zur Besorgnis. Aufgrund von fehlenden Berufs- und sogar Schulabschlüssen werden diese zumeist jungen Männer schnell abgehängt und haben mehr als schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Während fast drei Viertel der Jugendlichen angeben, ihre Berufswünsche verwirklichen zu können, wird es für diese Jugendlichen schwer.

Junge Menschen haben ein gemeinsames Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz. Der Beruf soll interessant sein, aber vor allem auch kompatibel mit dem Familien- und Kinderwunsch. So möchten zum Beispiel drei Viertel der heute Jugendlichen in Teilzeit arbeiten können, sobald sie Kinder haben.

Die Zeitarbeit kann so gleich in mehreren Bereichen Hilfestellung leisten, den Wünschen und Sorgen von Jugendlichen zu begegnen: auf der einen Seite bietet sie einen sicheren Arbeitsplatz, der gerne auch projektbezogen und individuell gestaltet werden kann. Zum anderen bietet die Zeitarbeit eine Möglichkeit für diese Jugendlichen, die im Bildungssystem nicht vollständig zurecht kommen, einen Arbeitsplatz zu finden und sich über soft-skills beim Kunden zu bewähren.


Die Politik wird in Zukunft nicht umhinkommen, ihre Hausaufgaben zu machen. Zeitarbeit ist weit mehr ein ein „arbeitsmarktpolitisches Instrument“ und eine Flexibilitätsreserve der Unternehmen. Sie bietet Menschen, die sonst Schwierigkeiten haben in Arbeit zu kommen, eine Alternative. Damit verwirklicht sie ein Grundrecht.

Aber auch für viele andere junge Menschen ist sie eine moderne Arbeitsform, die den Wünschen nach individueller Arbeit bei größtmöglicher Sicherheit der Jugendlichen bereits heute entgegen kommt. Bleibt zu hoffen, dass in der AÜG-Novellierung auf diese Wünschen Rücksicht genommen wird.

Der Autor:Thorsten Rensing ist Mitglied im Bundesvorstand des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) und dort zuständig für den Bereich Bildungspolitik. Er ist außerdem Geschäftsführer der Schoiber & Rensing GmbH mit Sitz in Köln.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Frontal 21 "berichtet" über Zeitarbeit: Hätten sie mal vorher beim iGZ gefragt


iGZ-Hauptgeschäftsführer
RA Werner Stolz
Das ZDF-Magazin Frontal 21 hat sich wieder einmal mit der Zeitarbeit auseinandergesetzt. Zwischen Berichten von übergewichtigen Kindern in der Werbefalle und verbrecherischen Flüchtlings-Schleppern verkündet Moderatorin Ilka Brecht mit ernster Miene und selbstgefälliger Stimme: „Leiharbeit sollte eigentlich eine Ausnahme sein! Eigentlich.“ – Woher diese Erkenntnis stammt, bleibt offen. Ebenfalls, wo denn nun der Skandal des folgenden Berichtes liegt. Konkret geht es um einen Mitarbeiter, der viele Jahre in einem Kundenbetrieb eingesetzt worden ist und dann entlassen wurde. Ein Vorgang, der für den Einzelnen bedauerlich ist – aber auch nicht gegen geltendes Recht verstößt. Seit dem Wegfall einer Beschränkung der Überlassungsdauer ist es gesetzlich erlaubt, Menschen über Zeitarbeit ohne zeitliche Befristung einzusetzen. Allerdings hat die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgesehen, genau diese Möglichkeit in Kürze einzuschränken. Und so dreht sich dieser Beitrag um ein Thema, das eigentlich gar keines mehr ist.

Handwerklich folgt der Beitrag den bekannten Mechanismen: Es kommen der Betroffene, die IG Metall, ein scheinbar geläuterter ehemaliger Personaldisponent, der präsentiert wird wie ein Aussteiger aus einer Sekte und mit Prof. Dr. Sell ein der Zeitarbeit grundsätzlich eher kritisch gegenüber stehender Wissenschaftler zu Wort. Nicht gefragt werden hingegen Stimmen, die begründete Zweifel an der Empörungs-Choreographie wecken könnten. Einzig die Einsatzbetriebe werden um eine Stellungnahme gebeten – nicht aber die Branche selbst. Und so stammt die wohl treffendste Aussage des Berichts von dem ehemaligen Kollegen des Zeitarbeitnehmers, der eine Stellungnahme zu der Kündigung vor der Kamera verweigerte und im Wegfahren murmelte, das mit der Entlassung „wird schon seine Gründe haben“.

Und so vertut die Frontal 21-Redaktion eine große Chance auf eine ausgewogene Berichterstattung, denn wären wir als mitgliederstärkster Arbeitgeberverband der Zeitarbeitsbranche gefragt worden, dann hätten wir darauf hingewiesen, dass sich die Zeitarbeit üblicherweise gegen den Vorwurf zu wehren hat, sie würde nur kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse anbieten. Wenn Frontal 21 jetzt der Meinung ist, sie seien zu lang, dann müsse die Wahrheit ja vermutlich in der Mitte liegen. Und da liegt sie in diesem Fall gut. Man kann das natürlich auch durch Zahlen belegen: 40 Prozent der Zeitarbeitseinsätze dauern länger als neun Monate, 20 Prozent länger als 18 Monate. Nach einem Beispiel für eine Einsatzdauer von zehn Jahren, wie sie in dem Bericht vorgestellt wurde, muss man schon richtig lange suchen. Meinen Respekt für diese Fleißaufgabe der Frontal 21-Redakteure! Da waren Sie sicher eine ganze Weile mit beschäftigt.

Wären wir gefragt worden, hätten wir darauf verwiesen, dass der Frontal 21-Beitrag dieser Tage auch unbedingt ausgestrahlt werden musste, weil man Gefahr lief, von den politischen Realitäten überholt zu werden. In wenigen Wochen will die Bundesregierung die Einführung einer maximalen Überlassungsdauer beschließen - und dann wäre die Geschichte tot gewesen. Wir hätten natürlich auch darauf hingewiesen, dass das Vorhaben, Zeitarbeitseinsätze zukünftig auf 18 Monate zu begrenzen, ein schwerer Schlag gegen die Arbeitsflexibilität im Lande ist. Krankheits- und Elternzeitvertretungen, Projektarbeiten und andere Einsätze, die logischerweise länger als 18 Monate dauern, sind bei einer starren Regelung über Zeitarbeit nicht mehr möglich.

Wären wir gefragt worden, hätten wir natürlich auch darauf hingewiesen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Arbeitsflexibilität herzustellen. Die Zeitarbeit ist eine davon - ausgestattet mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen und einer tariflichen Entlohnung. Frau Prof. Dr. Jutta Rump bezeichnet die Zeitarbeit als ein Musterbeispiel für "Flexicurity". Nur leider nicht in dem gestern ausgestrahlten Beitrag. Weil sie natürlich auch nicht gefragt worden ist. Wir hätten auch darauf hingewiesen, dass je unattraktiver die Zeitarbeit aufgrund von Verschärfungen der Rahmenbedingungen wird, dies dazu führen kann, dass sich die Unternehmen andere Möglichkeiten der Flexibilität suchen. Es ist ein vielverbreiteter Irrglaube, dass die Unternehmen dann diese Menschen alle fest anstellen werden. Sehen wir mal von einzelnen Einzelfällen ab. Denn im Gegensatz zu Frontal 21 wollen wir uns nicht an medienwirksamen Einzelfällen, sondern an gesamtwirtschaftlichen Zahlen und nachvollziehbaren Branchen-Entwicklungen orientieren.

Wären wir gefragt worden, hätten wir übrigens auch darauf hingewiesen, dass die Zeitarbeit enorme Anstrengungen unternommen hat, die schwarzen Schafe aus ihren Reihen zu entfernen. Der iGZ hat nicht nur einen Ethik-Kodex breit diskutiert, verabschiedet und als Satzungsbestandteil integriert. Er hat auch eine hochrangig besetzte Kontakt- und Schlichtungsstelle eingerichtet, an die sich Mitarbeiter der iGZ-Unternehmen wenden können, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Stimmen die Vorwürfe gibt es Sanktionen bishin zum Verbandsausschluss. Wir hätten auch darauf hingewiesen, dass die Kontakt- und Schlichtungsstelle im vergangenen Jahr rund 750 Anfragen erhalten hat und nur zehn davon hinterher zu einem intensiveren Austausch und einer Anhörung geführt haben, weil sich die anderen im Nachhinein als unbegründet herausgestellt haben.

Aber da wir nicht gefragt worden sind, fehlen all diese Fakten in der Frontal 21-Sendung. Vielleicht ja beim nächsten Mal...

Der Autor:
RA Werner Stolz ist Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Sie erreichen ihn unter:
stolz@ig-zeitarbeit.de.