Donnerstag, 20. August 2015

Bewerben Sie sich selbst! Markenbildung in der Zeitarbeit

„Hilfe, ich habe einen Job zu bieten, aber keiner führt ihn aus!“. Wenn es Ihnen so oder so ähnlich geht, ist „Employer Branding“ für Sie das Mittel der Wahl. „Arbeitgebermarkenbildung“ bedeutet, herauszustellen, was Ihr Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber macht.
 
Jeder Mensch wird jeden Tag mit Marketingmaßnahmen konfrontiert. Werbung „verführt“. Wo wir gehen und stehen sollen wir neue Produkte ausprobieren und uns von den Vorzügen bestimmter Marken überzeugen. Das ist Produktmarketing.
 
Die Zeitarbeitsbranche funktioniert anders. Hier geht es um die Vermarktung von Dienstleistungen – und noch sehr viel spezieller: Personal-Dienstleistungen. Zeitarbeitsfirmen stehen vor der Aufgabe etwas zu vermarkten, das nicht greifbar ist. Die Dienstleistung entsteht erst, wenn ein Personaldisponent seinen Kunden berät und wenn ein passender Mitarbeiter im Kundenbetrieb seiner Arbeit nachgeht. Hinzu kommt, dass menschliche Arbeitskraft vermarktet wird - ein sehr sensibles Thema. Personaldienstleister sollten bei ihren Werbemaßnahmen immer im Hinterkopf haben, dass der Mensch im Vordergrund steht. Und Menschen sind nicht programmierbar, sondern verändern sich. Durchaus ein Pfund mit dem Personaldienstleister wuchern können! Sie bringen vielleicht nicht jeden Tag die gleiche Arbeitsleistung, lernen dafür aber dazu und wachsen an jeder neuen Aufgabe.


Der Zeitarbeitssektor bietet ein enormes Potenzial. Dabei wandelt sich das Bild des Personaldienstleisters seit einiger Zeit vom reinen Personalanbieter hin zum strategischen Partner mit Allround-Lösungen. Zukünftig steht die Branche vor der Herausforderung, dass das Arbeitskräftepotenzial weiter abnimmt und die Arbeitswelt stärker digitalisiert und flexibilisiert wird.
 
Und hier kommt „Employer Branding“ ins Spiel. Denn der Arbeitsmarkt ist ja bekanntlich zum Bewerbermarkt geworden, auf dem wenige geeignete Arbeitnehmer zwischen vielen offenen Stellen wählen können. Wie schaffen Sie es also, dass sie zu Ihnen kommen und nicht zum Wettbewerber gehen? Wie machen Sie sich interessant?
 
Gerade die vielen mittelständischen Zeitarbeitsunternehmen haben hier gute Chancen, sich zu positionieren. Zeitarbeitsunternehmer können mit ihrem Leistungskatalog, mit qualifizierten Mitarbeitern und Referenzen von zufriedenen Kunden werben. Schwierig dabei ist es, sich von den rund 8.500 deutschen Wettbewerbern abzuheben und sich klar zu positionieren. Mittelständische Zeitarbeitsfirmen bieten aber gegenüber „den Großen“ Vorteile. Dazu gehören ein familiäres Betriebsklima, flache Hierarchien oder kurze Entscheidungswege. Mittelständler sollten sich fragen, warum es sich außerdem lohnt, in ihrem Unternehmen zu arbeiten. Welche Werte vertritt ein Zeitarbeitsunternehmen, welche Stärken hat es? Gibt es besondere Leistungen, mit denen ein Unternehmen punkten kann? Hat das Unternehmen einen Standortvorteil? Oder: Bietet es Entwicklungsmöglichkeiten?
 
Wichtig ist, dass sich Zeitarbeitsunternehmen ein unverwechselbares Gesicht geben und authentisch wirken. Das geht zum Beispiel, indem sie schauen, wie die Konkurrenz auftritt oder sie die eigenen Mitarbeiter nach ihrer Einschätzung befragen. Überlegen Sie doch einmal selbst, was Sie von einem interessanten Arbeitgeber erwarten! Anregungen dafür, welche Aspekte attraktiv sein könnten, bekommen Sie beispielsweise auf den Websites kununu.de oder topjob.de.
 
Wenn schließlich feststeht, worin die Arbeitgebermarke besteht, sollten Sie die Eigenschaften umfassend kommunizieren. Entwickeln Sie einen pfiffigen Arbeitgeberclaim und zwar einen, der zentrale Stärken und Werte aufgreift und am besten unverwechselbar ist. Und dann? Bewerben Sie sich selbst! In Stellenanzeigen, auf Ihrer Website, in der Presse und in Unternehmensbroschüren sollte glaubwürdig, klar und immer mit den gleichen Worten zum Ausdruck kommen, warum es sich lohnt, Ihr Unternehmen als Arbeitgeber auszuwählen.
 
Und zum Schluss noch ein bisschen Eigenmarketing:

8.-10.9. Frankfurt und 17.-19.11. Münster:
iGZ-Seminar „Erste Schritte in die Zeitarbeit“ mit Crashkurs Marketing

24.9. Münster und 26.11. Mainz:
iGZ-Praxisworkshop „Vertrieb trifft Marketing“

Die Autorin:

Dr. Jenny Rohlmann leitet das Referat Verbandsmarketing beim Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen. Sie erreichen sie unter rohlmann@ig-zeitarbeit.de.

Kommentare:

  1. Für 8,20€ arbeitet kein mensch mehr und das ist auch gut so!

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    1. Hallo Herr Walkhoff! Sie beziehen sich auf den Mindest(!)lohn im Osten für ungelernte Helfertätigkeiten. Dieser wird im kommenden jahr - wie es der Gesetzgeber vorsieht - auf 8,50 Euro steigen. Gleichzeitig liegt der Mindest(!)lohn im Westen dann bei 9 Euro. Es gibt eine Vielzahl von Tätigkeiten, die höhere Qualifikationsanforderungen vorsehen und auch deutlich höher entlohnt werden. Es gibt aber auch eine ganze Reihe von Menschen, die persönliche Schwierigkeiten mitbringen und die über die Zeitarbeit einen für sie passenden Weg zurück in Arbeit vorfinden und nutzen. Sie sehen: Die Welt ist bunter, als sie sich in einem Satz darstellen ließe. Auch - oder gerade - in der Zeitarbeit.

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    2. Sehr geehrter Herr Speker, sicherlich gibt es einen Mindestlohn, nur das Problem besteht darin, dass hier im Osten locker zu 95% nur noch Zeitarbeitsstellen angeboten werden. Und alles sind sogenannte Helferjobs.
      Sogenannte, denn aus persönlicher Erfahrung, werden Gewinn erwirtschaftende Unternehmen zerteilt, um Versand- und Lagerbereiche in die Logistik auszusiedeln. Nur um darin möglichst niedrige Helferlöhne zahlen zu können. Ich arbeite momentan selbst als Job Coach, von Hartz4 befristet in Hartz4. Meinen lieben langen Tag verbringe ich damit, Jobsuchmaschinen nach möglichst halbwegs vernünftig bezahlten Angeboten für meine Teilnehmer zu durchsuchen.
      Die menschen würden gern Arbeit annehmen, aber halt auch gern nicht in der Zeitarbeit, für 8,20€. Sicherlich gibt es in verschiedensten Unternehmen Spitzenzeiten von Aufträgen, welche mit der stammbelegschaft nur schwer abzuarbeiten sind, aber mal ehrlich, wo liegt das problem, gleiche Arbeit auch mit gleichem Lohn zu belohnen?
      Was hier im Osten großflächig betrieben wird, ist Ausbeutung pur. Unsere Unternehmen haben 365 Tage im Jahr Bedarf nach Hilfskräften, da sie gerade sooolch viele Aufträge abzuarbeiten haben.

      Schauen Sie sich doch bitte mal die Suchergebnisse verschiedener Jobsuchmaschinen aus Ostdeutschen Städten an, dann werden auch Sie verstehen, was hier für eine Ausbeutung der Menschen stattfindet.

      Thale, Wernigerode, Quedlinburg ... nur als Orte eingeben, keine Stellen als Suchbegriff eintragen. Und das größte verbrechen daran ist, dass fast nur noch 35 Stunden pro Woche Jobs im laufenden 4 Schichtsystem angeboten werden.

      So hat man es geschafft, aus 7 40 Stunden Jobs, locker 8 35 Stunden Jobs zu zaubern, alle verdienen weniger, aber die Statistik stimmt mal wieder prima.

      Ich nenne soetwas Ausbeutung pur!

      Mit freundlichen Grüßen

      Peter Walkhoff

      www.webmaster-4y.de

      http://www.webmaster-4y.de/bewerbungstraining.html
      http://www.webmaster-4y.de/bewerbungvorlagen.html
      http://www.webmaster-4y.de/arbeitsagentur-biz.html

      Also ich kenne die Probleme!

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