Donnerstag, 4. August 2016

Zeitarbeitsgesetzgebung kein ARD-Tatort-Krimi


iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz
Welcher Plusminus-Fernsehzuschauer sollte da nicht mitfühlen: Der deutschen Wirtschaft gehe es gut, aber die Menschen am unteren Ende der Skala haben laut Fernsehbeitrag nichts davon. Selbst Nobel-Marken mit Milliarden-Gewinnen betreiben Lohndumping durch Zeitarbeit. Keine Familie könne davon leben. Nur mit staatlicher Stütze komme man auf Hartz-IV-Niveau. Sorgenvoll beschreibt ein Zeitarbeiter seine Lage, der wegen Angst vor Repressionen natürlich anonym bleiben will. Er schufte, auch wenn er krank ist, und befürchte ständig eine Kündigung durch seinen Arbeitgeber. Und das zuständige Bundesministerium für Arbeit und Soziales wolle sich auf Anfrage der Redaktion zu den Sachverhalten nur schriftlich äußern.

So geht doch ein spannender Skandal-Stoff für eine neue Folge des ARD-Tatort-Krimis, diesmal nicht mit dem leider unlängst verstorbenen Schimi aus Duisburg, sondern mit Laienschauspielern aus der Zeitarbeitswelt. Fazit des Fernsehbeitrages Plusminus in der ARD zum Thema „Kampf um Leiharbeit“ am 27. Juli 2016: Wenn sich im Gesetzgebungsverfahren nichts ändere, bleibe von den Hoffnungen, die die Kanzlerin 2013 hunderttausenden von Leiharbeitern gemacht hat, nichts übrig…

Soweit – so schlecht!

Eine wichtige Aufgabe von Journalismus ist es, Menschen ausgewogen zu informieren und Missstände in Gesellschaft und Politik aufzuweisen. Statt aber die Zuschauer über das Für und Wider der neuen Reformvorschläge der Bundesregierung zur Arbeitnehmerüberlassung zu informieren, verfolgt der Beitrag offenbar vor allem die Absicht, das Mitgefühl der Zuschauer zu erregen, zu emotionalisieren. Kein Wort von garantierten Mindestlöhnen in der Zeitarbeitsbranche, die im Westen aktuell bei neun Euro liegen. Kein Hinweis auf die Branchenzuschlagstarife, die Lohnangleichungen zu den Stammbeschäftigten sicherstellen. Keine Rede von den abertausenden Chancen derjenigen, die jeden Monat über Zeitarbeit entstehen. Keine Rede von den Menschen, die wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Keine eingeholten Stellungnahmen von Kritikern dieser einseitigen Sichtweisen, die – wie etwa der iGZ – als Branchen-Facharbeitgeberverband für zusätzliche Aufklärung hätte sorgen können…

Stattdessen werden unbelegte Aussagen und rhetorische oder suggestive Fragen aneinandergereiht, Antworten aber allenfalls unpräzise angedeutet. Auffällig sind auch die mangelnden Differenzierungen und nicht belegten Behauptungen von einem „Experten“ (Prof. Däubler) zu angeblichen Drehtüreffekten nach neun bzw. 18 Einsatzmonaten.

Tatsächlich ist es fragwürdig, wenn Zeitarbeitskräfte – wie der Gesetzgeber jetzt vom Grundsatz her beabsichtigt – nach einer bestimmten Frist ihren Dienst für den Kundenbetrieb einfach beenden müssen. Aber kein ergänzender Hinweis dazu, dass die Sozialpartner hier durch Tariföffnungsregelungen vernünftigere, praxisnähere Lösungen finden dürfen.

Verschwommene Hintergrundbilder, der Verweis auf Langzeit-Recherchen aus dem letzten Bundestagswahlkampf mit der Bundeskanzlerin Merkel: Das Drehbuch soll offensichtlich den Eindruck erzeugen, dem Zuschauer werde Enthüllungsjournalismus und Spannung wie in einem „Tatort“ geboten.

Die thematisierten AÜG-Gesetzentwürfe nebst den zwei vorherigen Entwürfen aus dem Nahles-Ministerium sind öffentlich zugänglich. Dass eine Gesetzänderung ein mehrstufiges Verfahren darstellt, bei dem die Ministerien zumeist mit ihren Maximalforderungen in den politischen Ring steigen, um dann mit Branchenvertretern und Experten einen abgeschwächten Kompromiss zu erarbeiten – das ist völlig normal und alles andere als ein Skandal.

In diesem Fall haben insbesondere Arbeitgeberverbandsvertreter wie der iGZ und die Gewerkschaften in Teilen erfolgreich dafür gekämpft, dass die bestehenden Branchentarife nicht durch gesetzliche Neuregelungen ausgehebelt werden. Wer aber solche Sachverhalte skandalisiert, bedient sich der Mittel des Boulevardjournalismus. Der mittelbare Vorwurf, die Branche habe exzessiven Lobbyismus betrieben, trifft nicht den Kern und wirkt angesichts der tatsächlichen Interessenlagen eher aufgesetzt.

Es könnte einfach ein misslungener TV-Beitrag sein. Allerdings häufen sich in jüngerer Zeit wieder Medienberichte, die unverhältnismäßige, unsachliche Kritik an der Zeitarbeit üben. Dass ohne die Personaldienstleister die positive Arbeitsmarktlage unerreichbar gewesen wäre, kommt dabei höchstens noch am Rande vor. Stimmungsmache könnte insoweit schnell zum Bumerang werden. Zu Lasten der Arbeitslosen, auf deren Rücken dann etwaige Überregulierungen der Zeitarbeit ausgetragen werden. Von einer öffentlich-rechtlichen Dokumentation zur besten Sendezeit darf man von Journalisten deutlich mehr erwarten.


Der Autor: RA Werner Stolz ist Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Sie erreichen ihn unter: stolz@ig-zeitarbeit.de.

Freitag, 22. April 2016

Zeitarbeit hilft!

Zeitarbeit hilft Wirtschaft und Arbeitsmarkt! - Dieser Slogan wurde jetzt beim Bundeskongress Zeitarbeit in Bremen vorgestellt. Es ist die konsequente Fortentwicklung der Vitamin Z-Kampagne aus dem vergangenen Jahr, zu dem Viele noch die Zitrone als Leitmotiv in Erinnerung haben. Doch diese Fortentwicklung ist weit mehr als nur das Ersetzen der Zitrone durch einen blauen Keil vor einem grünen Band: Wir laden die Idee, die hinter Vitamin Z steht, vor allen Dingen inhaltlich auf. Denn es geht im Kern ja nicht um Obst, sondern um das, was ein Vitamin ausmacht: Es hilft und unterstützt den Körper. Und das passt wunderbar auch auf die Zeitarbeit, die sich in ihrer eigenen Bedeutung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt auch nicht wichtiger nimmt, als sie mit ihren gerade einmal 2 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen de facto ist - die aber dennoch selbstbewusst genug (geworden) ist, ihre Stärken und Erfolge, die sie für die Gesellschaft insgesamt erzielt, nach außen zu tragen.

Denn ich bin davon überzeugt, dass es jetzt an der Zeit ist, dass die Zeitarbeit selbstbewusst und mit erhobenem Haupt ihre eigenen Stärken präsentiert und kommuniziert. In den vergangenen Jahren war es wichtig - und richtig - dass man sich von den schwarzen Schafen abgegrenzt hat und die Bemühungen der Branche zur Selbstreinigung betonte.

Das spiegelte sich übrigens auch in den Slogans der iGZ-Bundeskongresse in den vergangenen Jahren wieder:

2016: Vitamin Z - Zeitarbeit hilft Wirtschaft und Arbeitsmarkt
2015: Vitamin für Wirtschaft und Arbeitsmarkt
2014: Gute Zeitarbeit hat Zukunft
2013: Gute Zeitarbeit spricht für sich
2012: Zeichen guter Zeitarbeit
2011: Zeichen setzen - jetzt!
2010: Moderne Zeitarbeit: Fair. Flexibel. Sicher.

Von 2012 bis 2014 dominierte das Schlagwort der "Guten Zeitarbeit". Bewusst haben wir hier die Gewerkschafts-Kampagne der "Guten Arbeit" aufgegriffen und, wenn man so will, im Slogan zitiert. Die Botschaft dahinter war: Es gibt eine verantwortungsvolle Zeitarbeit und der iGZ gestaltet die Rahmenbedingungen. Etwa dadurch, dass wir als einziger Verband in der Zeitarbeit nicht nur einen Ethik-Kodex entwickelt haben, sondern diesen auch von einer unabhängigen Kontakt- und Schlichtungsstelle überwachen lassen. Sanktionen bis zum Verbandsausschluss sind bei Verstößen möglich und auch schon angewendet worden. Denn sowohl Mitarbeiter als auch Kunden sollen sich darauf verlassen können, dass sie mit einem iGZ-Mitglied als Personaldienstleister an ihrer Seite eben genau diese "gute Zeitarbeit" praktizieren. Darüber hinaus erlaubte der Hinweis auf die "Gute Zeitarbeit" stets auch die Abgrenzung zu möglichen Missbrauchsfällen. Und auf diese Weise wurde für alle deutlich gemacht, dass Missbrauchsfälle meist Einzelfälle sind und sich dadurch eben nicht die Systemfrage stellt.

Doch auch diese Kommunikationsstrategie hatte Nachteile: Dadurch, dass man sich von dem Negativen abgrenzt, macht man es dann doch wieder selbst zum Thema. Und wir sind überzeugt, dass all das, was mittlerweile als "Missbrauch" in der Zeitarbeit verstanden wird, individuellem, größtenteils rechtsbrecherischem Tun entspringt - und nicht in den Rahmenbedingungen der Zeitarbeit ihren Ursprung hat. Und: Die medial immer wieder gerne gehypten Missbrauchsfälle in der Zeitarbeit sind wohl eigentlich gar nicht soviel häufiger als in anderen Branchen. Für manche Journalisten, die sich dann ironischerweise auch noch als besonders investigativ verstehen, ist ein Beitrag über Zeitarbeit häufig noch ein Garant für billigen Applaus. Ein System-Skandal besteht jedoch schon lange nicht mehr. Auch, Dank der klaren Positionierung des iGZ und seiner Mitglieder.

Und so ist es an der Zeit, dass wir offen über die Erfolge sprechen. Zeitarbeit hilft. Dem Standort Deutschland. Den Unternehmen. Den Arbeitnehmern. Das bringen wir mit der neuen Kampagne auf den Punkt. Und wir unterfüttern es mit echten Beispielen. Nicht in der Werbelinie selbst. Das liegt vor allen Dingen daran, dass es der Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gebietet, dass man diese nicht über Gebühr in die Öffentlichkeit zerrt. Aber wir belegen es dann natürlich doch mit konkreten Beispielen. Auf der Kampagnenseite www.zeitarbeit-hilft.de sind die ersten Beispiele online. Weitere werden folgen. Denn "Zeitarbeit hilft" soll die Branche in den kommenden Monaten weiter begleiten. Und es wird eine Kampagne zum Mitmachen. Gemeinsam mit den Mitgliedsunternehmen im iGZ wollen wir weitere Medien und Einsatzmöglichkeiten entwickeln, um die Botschaft gemeinsam unters Volk zu bringen. Schließlich gibt es keinen wichtigeren Multiplikator als die rund 3.100 Mitgliedsunternehmen, die jeden Tag vor Ort den Kontakt zu den Mitarbeitern und Kunden haben und halten.

Die ersten Produkte sind zum Bundeskongress Zeitarbeit vorgelegt worden: Es gibt Postkarten, Schlüsselanhänger, Internetseite, Bilder und Motive und ein Video. Ich darf Sie herzlich einladen: Reden Sie mit! Geben Sie uns Ihr Feedback und sagen Sie uns Ihre Wünsche, wie und mit welchen Instrumenten wir diese Kampagne weiter entwickeln sollen. Denn für uns im iGZ ist es immer wichtig, nah an den Mitgliedern zu sein. Und diese Kampagne ist eine für die Branche!

Der Autor:
Marcel Speker ist Leiter Kommunikation und Arbeitsmarktpolitik beim Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Sie erreichen ihn unter speker@ig-zeitarbeit.de.

Mittwoch, 30. März 2016

Beim Forum Personalmanagement - Ein Branchen-Neuling berichtet

Mein Name ist Marcel Klief, 21 Jahre alt und frisch aus der Ausbildung: nicht zum Personaldienstleistungskaufmann, sondern zum Kaufmann für Marketingkommunikation. Allerdings bin ich in einem Haushalt aufgewachsen, wo am Mittagstisch die Zeitarbeit das Thema schlechthin war. Und nicht nur dort. Nicht weil es allgemein so spannend oder interessant ist, sondern weil mein Vater schon seit Jahren vor meiner Geburt in dieser Branche tätig ist. Dementsprechend trage ich die Zeitarbeit mehr oder weniger in meinem Herzen. Vor Kurzem wurde daraus mein Beruf, ich bin ins Unternehmen eingestiegen, und besuchte am 15. März gemeinsam mit meinem Vater das Forum Personalmanagement im Maternushaus/Köln. Es wurde ein spannender Tag.

Die meisten Menschen werden mit dem Begriff Zeitarbeit wohl die klassische Arbeitnehmerüberlassung in zumeist technische Berufe verbinden. Allerdings befindet sich die Personalwelt im Umbruch und die Zeitarbeitsbranche wird sich daran in Zukunft anpassen und messen lassen müssen. Stichwort: Personal 4.0.

Die Zeitarbeit hat schon in den letzten Jahren bewiesen, dass sie viel mehr als nur ein „Arbeitnehmerüberlasser“ ist und wird dadurch auch in Zukunft eine große Rolle in der Personalwirtschaft spielen. Allerdings, wird es wichtig sein umzudenken und vor allem den Arbeitnehmer noch mehr ins Zentrum des Geschehens zu stellen. Vorrangiges Thema, im Zeitalter der Digitalisierung: die Fortbildung.

Arbeitgeber müssen sich der Personalentwicklung deutlich intensiver annehmen, als es bisher der Fall war. Gerade in der Zeitarbeit wird es zunehmend wichtiger die eigenen Angestellten fortzubilden und somit auch das Employer branding voran zu treiben. Denn die wenigsten Arbeitnehmer in der Zeitarbeit sehen in dem Personaldienstleister den Arbeitgeber, der er ist. Viel häufiger wird der Entleiher als Arbeitgeber gesehen. Durch die Personalentwicklung kann dem entgegengewirkt werden. Daraus ergeben sich natürlich Vorteile, wie eine stärkere Mitarbeiterbindung in Zeiten von Fachkräftemangel, höhere Verrechnungssätze und Mitarbeiterzufriedenheit.

Aus meiner Sicht, einem 21 Jährigen „Neuling“ in der Branche, muss sie sich an die aktuellen Anforderungen anpassen. Früher, am heimischen Mittagstisch, waren Themen wie Personalentwicklung oder Personal 4.0 nie ein Thema. Heute müssen sich die Arbeitgeber um qualifiziertes Personal bemühen und sich überlegen wie man dem Kunden als Partner in Fragen Personalentwicklung gegenüber und zur Seite treten kann. So dürfte der mit Sicherheit verwundert darüber sein, wenn er bspw. hört, dass seine externen Mitarbeiter besser geschult sind als das eigene Personal. Hier gillt es neue Wege zu beschreiten und den Unternehmer in sich herauszukitzeln. Indem man das eigene Unternehmen, samt Mitarbeiter, nicht nur als kurzfristige Lösung anbietet, sondern in Form langfristiger Partnerschaften für den Kunden UND den Mitarbeiter.

Das Forum Personalmanagement bot vielfältige Einblicke in ein breit gefächertes Thema, fachkundige Referenten und sehr kompetente Ansprechpartner. Ein Tag voller Inspiration und Erkenntnisgewinn. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

Der Autor:
Marcel Klief ist Kaufmann für Marketingkommunikation beim iGZ-Mitglied Twinworx GmbH in Wiehl.